Betrieblicher Ausbildungsplan — Basis für eine erfolgreiche Ausbildung

Eine Ausbildung von der Stange? Nicht mit einem maßgeschneiderten Ausbildungsplan! Während die Ausbildungsverordnung und der Ausbildungsrahmenplan die Struktur vorgeben, planst du mit dem Ausbildungsplan die effektive Umsetzung in deinem Unternehmen. So stellst du sicher, dass die Ausbildungszeit optimal genutzt wird und deine Auszubildenden zu qualifizierten Fachkräften heranwachsen.

In diesem Beitrag erfährst du alles, was du wissen musst:

Ausbildungsplan Definition

Der Ausbildungsplan ist Bestandteil des Berufsausbildungsvertrages und bildet den Rahmen für die individuelle Ausbildungsplanung in deinem Unternehmen. Er richtet sich nach dem Ausbildungsrahmenplan, welcher inhaltliche und zeitliche Vorgaben setzt, um einen einheitlichen Ausbildungsstandard zu gewährleisten. Den Ausbildungsrahmenplan für verschiedene Ausbildungsberufe kannst du auf der Seite Kultusminister Konferenz kostenfrei downloaden.

Jeder Ausbildungsbetrieb ist verpflichtet, einen Ausbildungsplan bereitzustellen. Dies geht aus Paragraf 14 des Berufsbildungsgesetzes hervor:

Ausbildende haben (…) dafür zu sorgen, dass den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufsausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann.

Von einem Ausbildungsplan profitiert aber auch der Ausbildungsbetrieb. Er ermöglicht dir eine effiziente Steuerung und vermeidet, dass kostbare Zeit und Ressourcen auf unwesentliche oder nicht relevante Themen verwendet werden.

Ausbildungsplan Inhalt

Im Ausbildungsrahmenplan ist eine sachliche und zeitliche Gliederung zu finden, an welchen du dich bei der Erstellung des Ausbildungsplans orientieren musst. Die sachliche Gliederung des Ausbildungsplans bezieht sich auf die inhaltliche Strukturierung des Lehrplans (Themen, Fähigkeiten und Kenntnisse). Die zeitliche Gliederung hingegen beinhaltet die zeitliche Aufteilung der Ausbildungsinhalte über die Dauer der Ausbildung. Sie gibt an, wann bestimmte Themen oder Module behandelt werden sollen.

Der Ausbildungsplan liefert vertiefende Angaben zu den wichtigsten W-Fragen:

  • Was soll vermittelt werden?
    Die Lernzielvorgaben sind im inhaltlichen Teil des Ausbildungsrahmenplans festgelegt.
  • Wer soll die Inhalte vermitteln?
    Neben dem Ausbilder als Hauptverantwortlichen können verschiedene Fachkräfte die Vermittlung einzelner Kenntnisse und Fertigkeiten übernehmen.
  • Wo sollen die Einheiten gelehrt werden?
    Hier können der eigene Arbeitsplatz, aber auch Lehrwerkstätten, außerbetriebliche Seminare oder Schulungen in Kooperationsbetrieben zum Einsatz kommen.
  • Wie werden die Inhalte gelehrt?
    Für die Vermittlung von Lerninhalten sind verschiedene Methoden möglich, bspw. praktische Übungen, Projekte, Mentoring oder Online-Lernmodule.
  • Wann werden die Einheiten behandelt?
    Der Ausbildungsrahmenplan liefert bereits einen Richtwert für die Dauer einzelner Lernziele. Diese werden im Ausbildungsplan in zeitliche Einheiten gebündelt.

Bei der Planung des konkreten Ausbildungsverlaufs solltest du auch die Probezeit, Urlaubszeiten sowie Zeiten in der Berufsschule berücksichtigen. Trage dir zudem die Daten von Zwischen- und Abschlussprüfungen ein, um deine Auszubildenden frühzeitig bei der Vorbereitung unterstützen zu können.

Ausbildungsplan erstellen

Ein sorgfältig durchdachter Ausbildungsplan bietet die Grundlage für eine strukturierte und effektive Ausbildung. Er legt nicht nur den inhaltlichen Rahmen fest, sondern ermöglicht auch eine gezielte zeitliche und methodische Gestaltung des Ausbildungsverlaufs. In diesem Abschnitt stellen wir dir die wesentlichen Schritte und Aspekten vor, die du bei der Erstellung eines Ausbildungsplans berücksichtigen musst.

  1. Überblick verschaffen: Welche spezifischen Anforderungen müssen in deinem Unternehmen gegeben sein? Welche Kenntnisse und Kompetenzen sieht der Ausbildungsrahmenplan vor?
  2. Ausbildungsziele festlegen: Definiere klare und messbare Ziele, die mit der Ausbildung erreicht werden sollen. Die Ziele sollten auf den Bedürfnissen deines Unternehmens und den individuellen Entwicklungsmöglichkeiten des Auszubildenden basieren.
  3. Ausbildungsplan gliedern: Als Nächstes wird die Ausbildung in verschiedene Einheiten aufgeteilt. Ordne die Lerninhalte entsprechend der vorgeschriebenen Reihenfolge und Zugehörigkeit an.
  4. Lerninhalte definieren: Bestimme die spezifischen Themen und Fähigkeiten für jede Einheit im Ausbildungsplan. Stelle dabei sicher, dass alle relevanten Aspekte der Ausbildung abgedeckt werden.
  5. Zeitliche Planung: Lege fest, wie viel Zeit (Wochen oder Monate) für jede Einheit vorgesehen ist. Berücksichtige dabei sowohl die Dauer der Ausbildung als auch die Verfügbarkeit von Ausbildern und Ressourcen.
  6. Lehrmethoden festlegen: Entscheide, welche Lehr- und Lernmethoden sich am besten eignen, um bestimmte Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Bewährt hat sich eine Kombination aus verschiedenen Methoden wie Praxisübungen, Fallstudien, Projekte und E-Learning.
  7. Bewertung: Wie soll der Fortschritt und die Leistung deiner Auszubildenden bewertet werden? Lege Kriterien für Prüfungen, Tests oder andere Beurteilungsmethoden fest.
  8. Ressourcen und Unterstützung: Identifiziere benötigte Ressourcen wie Lehrmaterialien oder technische Ausstattung (Werkzeuge, Geräte, PCs, Anlagen). Stelle sicher, dass du ausreichend Unterstützung für die Auszubildenden bereitstellen kannst. Wenn du hierbei Hilfe benötigst, informiere dich über die Möglichkeiten einer Verbundausbildung.

Bei Bedarf kannst du den Plan jederzeit an neue Anforderungen und die Bedürfnisse deiner Auszubildenden anpassen, solange das Gesamtziel der Ausbildung nicht gefährdet wird (Flexibilitätsklausel). Dadurch ist es dir möglich, flexibel auf eigene Engpässe oder den individuellen Lernfortschritt deiner Auszubildenden zu reagieren. Am Ende wird der fertige Ausbildungsplan bei der zuständigen Kammer eingereicht, damit die Ausbildung offiziell eingetragen werden kann.

Individueller Ausbildungsplan – Beispiel

Zum Abschluss geben wir dir noch ein Beispiel für einen individuellen Ausbildungsplan. Für dieses Beispiel haben wir die Ausbildung zum Fachinformatiker genutzt.

Auszubildender: Max Mustermann
Ausbildung: Ausbildung zum Fachinformatiker
Ausbildungsdauer: 3 Jahre

Ausbildungsziele:

1. Entwicklung fundierter Kenntnisse in den Bereichen Hard- und Software.

2. Erwerb von Programmierfähigkeiten in verschiedenen Sprachen.

3. Aufbau von Netzwerkkenntnissen und -fähigkeiten.

4. Verständnis für Systemadministration und Datenbankmanagement.

5. Beherrschung von Problemlösungsstrategien und Kommunikationsfähigkeiten.

lfd. Nr.Teil des AusbildungsberufsbildesZu vermittelnde Fertigkeiten und KenntnisseDauerInhalteOrt/Abteilung
1Grundlagen der InformationstechnologieGrundlegende Hardware-KenntnisseBetriebssysteme und NetzwerkeIT-SicherheitDatenbanken und Datenmanagement6 MonateAufbau und Funktion von Hardware-Komponenten kennenlernenInstallation und Konfiguration von Betriebssystemen und NetzwerkenGrundlagen der IT-Sicherheit und SchutzmaßnahmenEinführung in Datenbanken und DatenmanagementIT-Abteilung
2
Softwareentwicklung
Programmiersprachen (z.B. Java, C++, Python)Softwarearchitektur und -designTest- und FehlerbehebungDokumentation von Softwareprojekten12 MonateErlernen einer Programmiersprache und deren AnwendungEntwurf und Umsetzung von Softwarearchitekturen Testen, Debuggen und Beheben von ProgrammfehlernDokumentation von SoftwareprojektenEntwicklungsabteilung
Beispiel für einen individuellen Ausbildungsplan

Hast du dir erst einmal einen individuellen Ausbildungsplan für dein Unternehmen erstellt, kannst du ihn auch mehrfach für andere Auszubildende desselben Ausbildungsberufes wiederverwenden. Möglicherweise musst du jedoch Anpassungen vornehmen, beispielsweise wenn du mehrere Auszubildende gleichzeitig einstellst und die Reihenfolge in einzelnen Abteilungen verändern willst. Auch bei Auszubildenden mit einer verkürzten Ausbildungszeit muss der Ausbildungsplan noch einmal gestrafft werden.

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