Azubis motivieren und Ausbildungsabbruch vermeiden

Rund jede vierte Ausbildung wird vorzeitig abgebrochen. Zu diesem Ergebnis kommt der Berufsbildungsbericht des Deutschen Bildungsministeriums 2022. Damit es nicht zu einer vorzeitigen Vertragsauflösung kommt, solltest du deine Azubis motivieren – und zwar von Anfang an.

In diesem Beitrag …

Motivationsarten in der Ausbildung

Grundsätzlich lassen sich die Motivationsarten in der Ausbildung in zwei Bereiche unterscheiden: die intrinsische und die extrinsische Motivation. Im besten Fall sollten beide das Gleichgewicht halten und sich gegenseitig ergänzen, um eine langfristige Motivation zu ermöglichen.

Azubi intrinsisch motivieren

Um einen Azubi intrinsisch zu motivieren, muss die Motivation von den Auszubildenden selbst kommen. Die intrinsische Motivation entspricht den innersten Wünschen und dem Bedürfnis, die eigenen Lebensziele zu verwirklichen.

Innerhalb einer Ausbildung kannst du diese Art der Motivation durch die Förderung von Freude an der Tätigkeit gezielt ansprechen. Zeige deinen Auszubildenden den Sinn hinter verschiedenen Aufgaben und das übergeordnete Ausbildungsziel. Ebenso ausschlaggebend ist eine klare Unternehmensvision. Zeige, warum sich die Arbeit eines jeden Einzelnen bemerkbar macht und was das Unternehmen gemeinsam erreichen möchte. Bei StudySmarter verfolgt beispielsweise jedes Teammitglied unsere Vision von frei zugänglicher Bildung auf der ganzen Welt.

Extrinsische Motivation von Azubis

Die extrinsische Motivation eines Azubis wird aus äußeren Faktoren gespeist. Das kann das Erfüllen von Erwartungen sein, die Suche nach gesellschaftlicher Anerkennung oder materielle Anreize. Um die extrinsische Motivation zu fördern, können Lob und Anerkennung sowie finanzielle Anreize genutzt werden.

Auch Ängste vor negativen Konsequenzen können Einfluss auf die extrinsische Motivation nehmen. Diese Faktoren sorgen auf lange Sicht jedoch für einen Abbau der Motivation und eine sinkende Zufriedenheit in der Ausbildung.

Fehlende Motivation bei Azubis erkennen

Kleine Durchhänger oder einen schlechten Tag kennen wir alle aus dem Arbeitsalltag. Häufen sich diese jedoch, solltest du die Motivation deiner Azubis etwas genauer im Auge zu behalten.

Fehlende Motivation bei Azubis erkennst du beispielsweise durch:

  • viele Fehlzeiten sowie häufiges Zuspätkommen
  • wenig Eigeninitiative
  • ein unvollständiges Berichtsheft
  • Unzuverlässigkeit bei Aufgaben
  • Unmut als Reaktion auf Aufgabenzuweisungen
  • fehlendes Einbringen bei Gruppenarbeiten
  • unfreundlicher Umgangston
  • mangelnde Lernfortschritte

Azubis motivieren – 7 Ansätze, die Energie versprechen

Schaffe vom Ausbildungsstart an die richtige Basis: Angenehme Arbeitsbedingungen, eine angemessene Vergütung sowie ein gutes Betriebsklima bilden die Grundlage für eine langfristige Motivation. Aufbauend dazu kannst du verschiedene Ansätze nutzen, um die Motivation und Begeisterung während der Ausbildung aufrechtzuerhalten.

Persönliches Gespräch

Stellst du einen Rückgang in der Motivation deiner Auszubildenden fest? Dann solltest du in einem ersten Schritt das persönliche Gespräch suchen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. Nimm dir Zeit, um dem Auszubildenden zuzuhören und frag nach, was dein Ausbildungsbetrieb tun kann, um den Erfolg der Ausbildung zu unterstützen.

Versuche, gemeinsam nach Lösungsvorschlägen zu suchen. Vielleicht gibt es Aufgaben, die den persönlichen Stärken entsprechen, welche jedoch bislang zu kurz kamen. Möglicherweise kannst du individuelle Schwerpunkte bei deinen Auszubildenden setzen.

Es ist auch möglich, dass die Gründe im privaten Umfeld liegen. Hier ist besonders viel Fingerspitzengefühl gefragt. Biete ein offenes Ohr und Unterstützung an, dränge aber den Auszubildenden jedoch nicht, wenn er oder sie nicht bereit ist, sich zu öffnen. Möglicherweise können auch externe Beratungsstellen zur Verfügung gestellt werden.

Azubis motivieren, eine Ausbilderin erklärt ihren Auszubildenden etwas am PC, StudySmarter

Konstruktives Feedback

Feedback ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung. Nur wenn Auszubildende wissen, was schon gut läuft und wo noch Verbesserungspotenzial besteht, können sie sich weiterentwickeln. Sprich Lob explizit aus, wenn du mit den Leistungen zufrieden bist. Schaffe gleichzeitig einen geschützten Rahmen durch Einzelgespräche, um Unzufriedenheit zu äußern. Wichtig ist, dass Feedback von beiden Seiten aus geschehen sollte. Erfrage auch, was der Ausbildungsbetrieb besser machen kann und wo noch Unterstützung fehlt.

Tipps für konstruktives Feedback:

  • Vermeide Vorwürfe und die Darstellung als Fakten. Viel besser kommen Ich-Botschaften beim Gegenüber an: „Ich habe das Gefühl, dass du nicht ganz bei der Sache bist …“
  • Nenne konkrete Situationen oder Beispiele.
  • Gib einen Verbesserungsvorschlag: Warum war etwas falsch? Und wie geht es richtig?
  • Lasse auch den Auszubildenden zu Wort kommen.
  • Sprich im Gespräch auch positive Aspekte an.

Konstruktives Feedback schafft den Raum für Fehler und hilft, Azubis langfristig zu motivieren. Wird jedoch nur Kritik geäußert, kann das zu einer Kapitulation auf Seite des Azubis führen: „Ich kann es ohnehin nie richtig machen, wieso sollte ich es überhaupt noch versuchen?“.

Belohnungssystem für Azubis

Mit einem Belohnungssystem für Azubis bringst du Gamification-Elemente in den Ausbildungsalltag. Dabei geht es eher darum, neue Anreize für die Ausbildung zu schaffen, die Arbeit mit Spaßfaktoren zu verbinden und gute Leistungen zu honorieren.

Ein Glasermeister-Betrieb ist beispielsweise 2018 mit einem kurzen Video über Facebook viral gegangen. Nach nur sechs Tagen hatte der Post bereits mehr als 1,7 Millionen Aufrufe. Doch worum ging es? Die Glaserei Sterz suchte nach neuen Auszubildenden und machte den zukünftigen Bewerbern ein verlockendes Angebot, u.a.:

  • Bei positivem Ausbildungsverlauf gibt es jeden Monat 100€ Extra-Ausbildungsvergütung.
  • Die Zwischenprüfung mit mindestens der Note 3 sorgt für eine Sonderzahlung von 300€.
  • Wer die Gesellenprüfung mit mindestens einer 3 besteht, darf sich über weitere 500 € freuen.

Damit wurde ein attraktives Belohnungssystem für Azubis ins Leben gerufen, welches sich an erreichbaren Zielvorstellungen orientiert und vor allem die extrinsische Motivation anspricht. Die Mindestnoten wurden dabei bewusst gewählt, damit die Ausbildung nicht bereits mit einem zu hohen Druck startet. Auf diese Weise wird Raum für Wertschätzung und eine realistische Arbeitsleistung geschaffen, welche sich ebenfalls positiv auf die intrinsische Motivation der Auszubildenden auswirkt.

Um die eigenen Azubis zu motivieren, setzt auch der Dachdeckerbetrieb Hanebutt auf ein Belohnungssystem. Hierbei können Pluspunkte für gute Leistungen gesammelt und in Essensgutscheine oder zusätzliche freie Tage umgewandelt werden.

Teambuilding-Events

Ein großer Motivationsfaktor für Auszubildende ist ein gutes Arbeitsklima. Maßgeblich hierfür sind primär die Beziehungen zu den Kollegen. Hilf deinen Azubis dabei, Anschluss an das bestehende Team zu erlangen. Innerhalb von Team-Events können sich alle auf einer persönlichen Ebene kennenlernen und vielleicht auch gemeinsame Interessen entdecken.

Möglich sind zum Beispiel:

  • Escape Rooms,
  • Stadt Rally,
  • Seifenkistenrennen,
  • gemeinsames Kochen,
  • Kicker-Turnier,
  • eigene Quizshow.

Um das Miteinander unter den Auszubildenden zu stärken, kannst du spezielle Azubi-Tage ins Leben rufen. Viele Unternehmen bieten diese zu Beginn an, um das Kennenlernen zu erleichtern. Später rückt dieser Faktor leider immer häufiger in den Hintergrund.

Biete deinen Auszubildenden deswegen während der gesamten Ausbildungszeit regelmäßige Events. Hier können sich die Azubis auch in die Planung einbringen und so ein selbstverantwortliches Projekt übernehmen. Events können dir auch dabei helfen als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden und neue Azubis zu finden, um auch im nächsten Jahr alle Ausbildungsplätze besetzen zu können. Berichte also auch regelmäßig auf Social Media oder deiner Karriere Website über vergangene Veranstaltungen.

Sinnstiftende Tätigkeit

Eine sinnstiftende Tätigkeit entspricht hauptsächlich den Bedürfnissen der Gen Y und Gen Z. Wenn Auszubildende das Gefühl haben, dass ihre Arbeit einen Zweck hat und dass sie einen wertvollen Beitrag leisten, werden sie eher motiviert sein, ihr Bestes zu geben.

Motiviere deine Azubis, indem du ihnen den Zweck und Kontext einer Aufgabe erläuterst. Lass die jungen Talente aktiv am Unternehmengeschehen teilnehmen und auch betriebsrelevante Prozesse übernehmen, je nach Ausbildungsstand.

Auch das gemeinsame Besprechen des Ausbildungsplans schafft einen guten Überblick über das große Ganze: Welches Ziel haben einzelne Ausbildungseinheiten? Was wird durch bestimmte Tätigkeiten erlernt?

Realistische Zielsetzungen

Damit du sowohl eine Unter- als auch eine Überforderung vermeidest, solltest du gemeinsam mit deinen Auszubildenden realistische Etappenziele definieren. Damit können Azubis ihre Ergebnisse stetig mit den definierten Zielen abgleichen und den eigenen Fortschritt erleben. Gleichzeitig solltest du in regelmäßig stattfindenden Feedbackgesprächen erfragen, ob es Probleme bei der Bearbeitung von Aufgaben gibt und noch Hilfe benötigt wird oder ob sogar bereits neue Aufgaben hinzukommen können.

Abwechslungsreiche Aufgaben

Erhalten Auszubildende immer wieder die gleichen Aufgaben und haben sie das Gefühl, dass kein Lernfortschritt erkennbar ist, können sie die Motivation an der Ausbildung verlieren. So sorgst du für Abwechslung in der Ausbildung:

  • Lass deine Auszubildenden auch durch andere Abteilungen rotieren.
  • Nutze Projekte, an denen Auszubildende gemeinsam selbstständig arbeiten können.
  • Biete Weiterbildungen und Schulungen an, um neue Aufgabenbereiche kennenzulernen.
  • Ermögliche Auszubildenden, auch verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen.

Routineaufgaben, wie das Sortieren der Ablage, sind trotzdem nicht vermeidbar. Geh jedoch mit gutem Beispiel voran und lasse die Aufgabe nicht nur von Azubis, sondern auch von Festangestellten ausführen. Damit zeigst du, dass jeder im Team gleich wertgeschätzt wird und einige Aufgaben zum Alltagsgeschäft einfach dazugehören.

Ausbildungsabbrecher – Ausbildungsabbruch vermeiden

Laut Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes 2020 sind etwa 30 % der Auszubildenden unzufrieden. Gründe sind primär zu viele Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten und eine mangelnde Ausbildungsqualität. Etwa die Hälfte der Befragten hat angegeben, dass sie auch außerhalb der Ausbildungszeiten erreichbar sein soll. Bei jedem Dritten fehlt ein Ausbildungsplan.

Daneben kann ebenfalls eine falsche Berufsvorstellung, Konflikte mit dem Ausbilder oder eine schlechte Berufsschulqualität der Grund für einen Ausbildungsabbruch sein. Kommt es zu einem Ausbildungsabbruch, geht damit ein Verlust von personellen und finanziellen Ressourcen einher. Das Bundesinstitut für Berufsbildung schätzt die Nettokosten bis zum Zeitpunkt der Vertragslösung auf 6.826 €.

4 Tipps, mit denen du einen Ausbildungsabbruch vermeiden kannst:

  1. Berufsorientierung: Im Rahmen des Bewerbungsprozesses solltest du das Anforderungsprofil mit den Erwartungen deiner zukünftigen Auszubilden abgleichen. Mach dabei keine leeren Versprechungen und zeichne ein realistisches Bild des Ausbildungsberufes. Hilfreich kann zudem der Einstieg über Schnuppertage oder ein Praktikum sein. Da die Berufsorientierung in der Schule beginnt, solltest du auch über ein strategisches Schulmarketing nachdenken.
  2. Onboarding: Sei von Tag eins an für deine Auszubildenden da. Hilf dabei, dass eine Integration in das bestehende Team gelingt, stelle Ansprechpartner bereit und unterstütze besonders in der Einstiegsphase.
  3. Regelmäßiges Feedback: Begleite den Lernfortschritt deiner Auszubildenden und gib regelmäßig die Möglichkeit für Feedback von beiden Seiten. Nur so können Wünsche und Bedürfnisse für die Ausbildung ans Tageslicht kommen. Achte zudem darauf, dass Lob und Anerkennung ein fester Bestandteil im Ausbildungsalltag einnehmen.
  4. Konfliktmanagement: Herrschen Probleme in der Kommunikation mit Kollegen oder Ausbildern, fällt es Auszubildenden oftmals nicht leicht, dies anzusprechen. Schaffe eine vertrauensvolle Atmosphäre, die eine Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht. Mache den Auszubildenden von Anfang an klar, dass Schwierigkeiten jederzeit angesprochen werden können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Hilfreich kann auch eine eigene Ausbildungsvertretung sein, die das Beschwerde-Management übernimmt.

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